- Der EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) reguliert KI risikobasiert; die schärfsten Pflichten treffen „Hochrisiko“-Systeme.
- Im Zahlungsverkehr entscheidend: KI zur Bewertung der Kreditwürdigkeit und zur Erstellung von Kreditscores gilt als Hochrisiko (Anhang III Nr. 5b).
- Ausdrücklich ausgenommen ist KI zur Aufdeckung von Finanzbetrug — sie ist nicht hochriskant.
- Die Hochrisiko-Pflichten gelten ab dem 2. August 2026; Verstöße können mit bis zu 15 Mio. Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden.

Der Denkfehler: „KI ist jetzt verboten“
Der AI Act verbietet nicht KI, er sortiert sie nach Risiko. Die meisten Systeme im Zahlungsverkehr sind gering reguliert. Nur wenige, klar benannte Anwendungen gelten als Hochrisiko — und genau die verdienen Aufmerksamkeit. Für Zahlungsdienstleister sind das vor allem Systeme zur Bonitätsbewertung.
Betrugserkennung vs. Kreditwürdigkeit
Hier trennt der AI Act sauber: KI, die die Kreditwürdigkeit natürlicher Personen bewertet oder Kreditscores erstellt, ist Hochrisiko (Anhang III Nr. 5b). KI hingegen, die Finanzbetrug aufdeckt, ist ausdrücklich ausgenommen — sie ist nicht hochriskant. Diese Unterscheidung ist der praktische Kern: Betrugsmodelle bleiben nutzbar, Scoring-Modelle bekommen das volle Pflichtenprogramm.
- Ein dokumentiertes Risikomanagement über den gesamten Lebenszyklus des Systems.
- Technische Dokumentation, Protokollierung (Nachvollziehbarkeit) und Transparenz.
- Wirksame menschliche Aufsicht — keine vollautomatische Letztentscheidung ohne Kontrolle.
- Daten- und Bias-Prüfungen sowie eine Konformitätsbewertung vor dem Einsatz.
„Der AI Act verbietet nicht das Rechnen, sondern das Rechnen ohne Rechenschaft.“
Fristen und Konsequenzen
Die Pflichten für Hochrisiko-KI gelten ab dem 2. August 2026. Wer Scoring einsetzt, sollte bis dahin Dokumentation, Aufsicht und Konformität geordnet haben. Der Bußgeldrahmen ist ernst: bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Was ich Betreibern rate
Erst inventarisieren, dann priorisieren: Welche KI-Systeme fallen überhaupt unter Hochrisiko? Meist ist es eine überschaubare Liste rund um Bonität. Und weil menschliche Aufsicht und Nachweisführung im Zentrum stehen, greift der AI Act sauber in das, was aus DORA und der ZAG-MaRisk ohnehin schon gefordert ist — Governance, die man einmal richtig aufsetzt und mehrfach nutzt.
Häufige Fragen
Ist jede KI im Zahlungsverkehr hochriskant?
Nein. Der AI Act reguliert risikobasiert. Nur klar benannte Anwendungen sind Hochrisiko — im Payment vor allem die Bewertung der Kreditwürdigkeit und die Erstellung von Kreditscores.
Ist Betrugserkennung Hochrisiko?
Nein. KI zur Aufdeckung von Finanzbetrug ist im AI Act ausdrücklich von der Hochrisiko-Einstufung ausgenommen.
Ab wann gelten die Pflichten für Hochrisiko-KI?
Ab dem 2. August 2026. Bis dahin sollten Risikomanagement, Dokumentation, menschliche Aufsicht und Konformitätsbewertung stehen.
Wie hoch sind die Bußgelder?
Für Verstöße gegen die Hochrisiko-Pflichten drohen bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes — je nachdem, welcher Betrag höher ist.
Dieser Beitrag gibt allgemeine, persönliche Einschätzungen zum genannten Stand wieder und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Keine Gewähr für Aktualität und Richtigkeit.